Homeoffice mit Kind

Mein Tagebuch: Das Abenteuer Homeoffice mit Kindern beginnt

Gehörst du auch zu den Glücklichen, die von zuhause aus arbeiten dürfen? Du holst dir einen Kaffee, setzt dich gemütlich an den PC, öffnest nach und nach die Programme, die du für deine Arbeit brauchst.  Während du deine Emails checkst, greifst du nach deiner Kaffeetasse. Der Duft steigt dir in die Nase und gerade als du ansetzen möchtest …

„Maaaamaaa!“ wie aus dem nichts taucht ein Kind neben dir auf und rüttelt dich am Ärmel.

Achja … da war ja noch was. Es ist nicht irgendein Kind, es ist deins! Und bei mir sind es gleich zwei, zumindest kleine.

Die Situation „Homeoffice mit Kind“ stellt uns vor völlig neue Herausforderungen. Zugegeben, ich war diese Woche nicht ganz allein mit den Kindern, mein Mann war noch da. Aber nach eigener Krankheit, hatte ich für diese Woche quasi Büroverbot bekommen und musste von zuhause aus arbeiten. Ob mein Mann diese Woche ein Stütze oder eher Hindernis war, nun das wird sich wohl die nächsten Wochen zeigen.

Woche 1: Ich bin guter Dinge

Tag 1: Lebendig wie immer

Leider habe ich kein extra Zimmer, in dem ich mir einen Arbeitsplatz einrichten könnte und so muss ich wohl im Wohnzimmer arbeiten. In dem gleichen Zimmer, in dem sich auch meine Kinder aufhalten. Ich bin gespannt wie der Tag und vor allem die Arbeit laufen wird.

Das Telefon klingelt. Ein Kollege ist dran, der sich mit mir absprechen möchte. Das war das Stichwort! Zeitgleich fängt eines der Kinder mit lautstarkem Geheule an. Der Kollege, der das Szenarium zum Glück auch kennt, lacht nur.

Später folgt ein Video-Meeting mit der gesamten Abteilung. Mein Mann schnappt sich die Kinder und geht mit ihnen raus. Trotzdem verziehe ich mich mit meinem Laptop ins Schlafzimmer. Dort ist Ruhe, dafür dürfen die Kollegen (und Chefs) im Hintergrund unser Schlafzimmer bewundern.

Noch während des Meetings höre ich, wie die Kinder wieder heimkommen. „MAAAMAAAA, wo bist du??“ tönt es lautstark. Darauf die Stimme meines Mannes, der erklärt, dass ich arbeiten muss und sie mich in Ruhe lassen müssen. Unerwarteterweise folgt darauf Stille und kein Kind, dass plötzlich im Raum steht.

Mittags kocht mein Mann Käsespätzle und verschwindet in der Küche. Da ja nun kein Auge mehr auf den Kindern ruht, beginnen diese zu streiten. Während ich nebenher Nachrichten mit den Kollegen austausche, verfolge ich den Jüngsten quer durch das Wohnzimmer, um einen Hammer zurückzuholen, den er seinem Bruder geklaut hat.

Während des gesamten Nachmittags bin ich mehrfach zu meiner Teenie-Tochter geeilt, um sie zu bitten (ok irgendwann habe ich nur noch gemotzt) sich um ihre Aufgaben zu kümmern. Es wird schnell klar, dass ich mit meiner Tochter wohl nicht mehr als Unterstützung rechnen kann.

Trotzdem: Der erste Tag ist geschafft!

Tag 2: Blutige Nase und angespannte Nerven

Der Tag beginnt noch ganz ruhig. Ich habe den Kindern ein Brot gemacht. In Stücke klein geschnitten. Für jeden eins. Und ein eigener Teller. Sie sitzen zufrieden vorm Fernseher, ich mit meinem Teller und einem Kaffee am PC und lass meinen Mann einfach schlafen.

Eigentlich ganz friedlich. Gar nicht so schlimm, denke ich, noch … Später sitzt mein Mann mit den Kindern beim Frühstück. Plötzlich höre ich geradezu, wie der 2jährige scheinbar in Zeitlupe von seinem Stuhl fällt. RUMS!

Die Art des Schreis des Kinder verrät mir, dass es sich weh getan hat. Also springe ich auf, tröste da arme Kind und versorge die blutende Nase. Alles wieder gut, es kann weiter gehen!

Es wird wieder friedlich, aber ständig will mein Mann etwas von mir. Für ihn scheinbar wichtig, für mich belangloses Zeug. Endlich beschäftigt er sich wieder mit den Kindern! Sie toben! Wild! Im Wohnzimmer! Neben mir! Ich kann viele Geräusche ausschalten, aber das wird mir nun zu bunt.

Es folgt ein Streit mit meinem Mann! Ok! Pause! Wir essen zu Mittag. Gut, dass es ja ab heute Disney + gibt. Die Kinder dürfen noch eine Stunde schauen, damit ich endlich noch etwas konzentriert arbeiten kann.

Von wegen. Konzentration? Irgendwie ist diese nicht mehr auffindbar. Mein Jüngster kommt auf meinen Schoß geklettert zum Kuscheln. Ok Abbruch! Das wars für heute! Ich wende mich nun lieber der Kinderbespaßung zu.

Tag 3: Alles ganz entspannt

Der Tag beginnt heute sehr friedlich. Die Kinder spielen den ganzen Vormittag in der Sonne auf der Terrasse. Meinem Mann ist es dort zu kalt. Stattdessen unterhält er sich mit mir. Von dem einen oder anderem Thema lasse ich mich auch noch ablenken.

Die Kinder sind wirklich sehr friedlich und vorbildlich diesen Tag, trotzdem gibt es so viel Ablenkung, dass ich letztendlich sehr lange am PC saß, aber nur die Hälfte der Zeit als Arbeit verbuchen kann.

Das war nichts heute, aber ich bin sehr stolz auf meine Kinder.

 Tag 4: Frust pur

Es ist erst 9.00 Uhr. So lieb wie die Kinder gestern waren, so schlecht sind sie heute drauf. Den ganzen Morgen sind sie schon weinerlich, schlecht gelaunt und streiten. Der 2jährige hat eine neue Lieblingsserie, die Knuddelmonster auf Disney+. Die Fernsehzeit ist rum und er möchte sie aber weitersehen. Ich brauche dir wohl nicht zu erzählen, was das bedeutet …

Also drucke ich den Kindern Malvorlagen aus. Dinos für den Großen, die Knuddelmonster für den Kleinen. Aber er ist nicht zufrieden, er will sie anschauen. Er klettert auf meinen Schoß und wir schauen zusammen, ob es sie auch als Hörspiel auf Amazon gibt.

Glück gehabt! Es gibt sie! Lieferdatum Ende April – Pech! Streamen, Fehlanzeige. Es folgt ein weinendes Kind (schon wieder). Dann kommt ihm seine Lieblings-Lieder-CD in den Sinn.

Mein Mann begibt sich auf die Suche. Im Kinderzimmer, in jedem CD abspielendem Gerät in diesem Haus. Er geht alle CDs durch, die er findet, holt alle CDs aus dem Auto. Sortiert alle CDs in ihr Hüllen ein. Ich arbeite nebenher. Das Ergebnis: die CD bleibt verschwunden.

Frust bei den Kindern – und bei mir.

(Ein Tag später kamen wir allerdings darauf, diese CD zu streamen – leider ein Tag zu spät!)

Tag 5: Von allem was

Heute ist es fast schon idyllisch. Während ich fleißig versuche zu arbeiten, sitzt der Rest der Familie am Frühstückstisch. Sogar meine Tochter ist heute mit dabei! Und es ist friedlich und die Unterhaltung klingt fröhlich.

Plätscher, Plätscher, Wusch … „Waah was machst du??“

Nun bin ich ganz Ohr. Urplötzlich kommt, mal wieder der 2jährige, luftschnappend und Mama kreischend auf mich zu gerannt. Ich nehme ihn auf den Schoß und tröste ihn. Als er sich beruhigt hat, berichtet er.

Er hat sich Milch eingegossen, die war wohl etwas voll und der Karton kippte in die Senkrechte, woraufhin sich der Inhalt ergoss. Das hat ihn wohl total erschreckt! Armes Kind!

Nach dem Frühstück spielen sie heute friedlich und gemeinsam mit Papa Gesellschaftsspiele. Danach wird die Eisenbahn aufgebaut. Der 4jährige erinnert sich plötzlich an die Bauklötze, also holt Papa sie aus dem Keller und die Kinder spielen lange damit.

Ein Schrei! Der Große hat mein Spielen einen Bauklotz an den Kopf bekommen. Er hat Platten vor sich gehalten, die der Kleine bewerfen sollte … ich denk mir meinen Teil und rate zu einem anderen Spiel.

Zum Mittag mache ich uns heute Bananenmilch, die großen Anklang findet.

Das die Jungs heute so brav gespielt haben, dürfen sie nach dem Mittagessen nochmal eine halbe Stunde etwas anschauen. Ich hoffe, dass ich noch etwas wegarbeiten kann.

Leise höre ich meinen Mann im Hintergrund auf dem Sofa schnarchen.

Lange mache ich heute aber auch nicht mehr, irgendwie komme ich zu nichts. Ich hatte heute zwar intensiv Zeit am Computer, aber gearbeitet, habe ich gefühlt nichts. Heute haben sich sehr viele Absprachen und Telefonate mit Chefs und Kollegen ergeben, auf dem Papier selbst (bzw in der Datei) ist nicht viel passiert.

Meine Bilanz der ersten Woche:

Eigentlich wars gar nicht so schlimm! Aber gearbeitet habe ich gefühlt nicht so wirklich, zumindest nicht so effektiv! Ich hoffe, dass es die nächste Woche besser wird.

Mein Tipp: Wer ein extra Zimmer hat sollte es nutzen. Und die Tür hinter sich schließen!

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